Was ist Wahrheit?

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Rege Diskussionen beim Tag der Militärseelsorge am Buß-und Bettag in Kiel

Der Tag der Evangelischen Militärseelsorge widmet sich regelmäßig einem aktuellen gesellschaftspolitischen Thema. Diesmal: Fake News. Wie können wir angesichts der Informationsflut in den (sozialen) Medien die Wahrheit erkennen? Wie werden wir immun gegenüber Manipulationen? Welche Rolle spielen hierbei Printmedien (Zeitungen etc.) im Gegenüber zu digitalen Verlautbarungen? Gab es „gefärbte“ Informationen auch schon früher…etwa in biblischen Zeiten? Welchen inneren Kompass brauchen wir, um Lüge und Wahrheit zu unterscheiden?

Die Militärseelsorge im Norden hatte in den Marinestützpunkt Kiel eingeladen. 200 Soldaten und Zivilisten versammelten sich zu Talkshow und anschließender Diskussion in Arbeitsgruppen um dann am Ende gemeinsam einen Gottesdienst in leichter Sprache zu feiern.

Einen zeitlich großen Raum nahm die Auftaktveranstaltung des Tages ein. Christian Longardt, Chefredakteur der Kieler Nachrichten, Oberst Andreas Hoppe, Pilot und Chef diverser Flugverbände, Oberstleutnant Peter Röllig, Experte im militärischen Nachrichtenwesen sowie Propst Matthias Krüger vom Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde diskutierten lebhaft und intensiv diese Fragen.

Der Moderator , Militärpfarrer Tübler aus Appen, leitete die Diskussion und ergänzte die Beiträge durch kurze Einspieler aus einer TV Sendung.

Hoppe machte deutlich, dass Fake News nicht nur Lügen seien. Vielmehr käme es auf den richtigen Zusammenhang von Informationen an. Medien berichteten etwa von einer Verdreifachung des Flugbetriebs und des Lärms in Nörvenich, einem Luftwaffenstützpunkt. Allerdings sei -so Hoppe- die Information verschwiegen worden, dass es Jahre zuvor eine weitaus höhere Zahl von Flugstunden gegeben habe. So ergäbe sich ein falsches Bild.

Auf die Frage des Moderators an den Experten des Militärischen Nachrichtenwesens, ob die Bundeswehr sich nicht Fake News zu Eigen machen könne, um den Gegner zu täuschen, meinte Röllig, Fake News und Rechtsstaat vertrügen sich nicht. Die Bundeswehr platziere bewusst keine Falschbehauptungen, ansonsten würde ihr Vertrauen und ihre Seriösität in der Gesellschaft leiden.

Einen ganz anderen Aspekt benannte Longardt. Die zunehmende Konkurrenz von Zeitungen gegenüber den Onlineauftritten großer Nachrichtenportale mache es schwierig, sich auf dem Markt zu behaupten. Das Kerngeschäft von Nachrichten, Hintergrundinformationen und Kommentaren sei schon längst nicht mehr die Domäne der Printmedien alleine. Die digitale Nutzung sei die große Herausforderung, der es sich zu stellen gelte.

Eine spontane Umfrage unter den Zuschauern ergab eine deutliche Hinwendung zu den News Portalen der „seriösen“ Nachrichtenanbieter. Dennoch bleibe-so die Mehrheit der Soldaten-genug Raum und Bedarf für Hintergrundrecherche der (regionalen) Printprodukte. Gerade in unruhigen Zeiten schätze man gut aufbereitete Zeitungsartikel.

Die alles übergreifende Leitfrage: Was ist Wahrheit?, brachte Krüger ins Gespräch. Die Anlehnung an die gleichnamige Frage des Pilatus aus dem Johannesevangelium sei die Kernfrage des Nachrichtengeschäftes in der Postmoderne. Seriösität sei neben dem Vergleich unterschiedlicher Nachrichtenquellen ein zwingendes Kriterium, Wahrheit herauszufinden.

Verschiedene Gesprächsforen etwa zum Thema Wahrheit in der Bibel oder Wahrheitsbegründungen der antiken Philosophie rundeten den Tag der Militärseelsorge ab. Die Gruppe „Voiceoverpiano“ sorgte für Liedbegleitung und gefühlvolle Zwischenmusik.

Viele Teilnehmer sagten zu, im nächsten Jahr wieder der Einladung der Militärseelsorge zum Buß- und Bettag in den Marinestützpunkt zu folgen. (ACT)

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Ev. Militärdekan an der Führungsakademie der Bundeswehr Hamburg, BMW Biker etc.

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