Religion.Macht.Gewalt?

ReligionMacht Gewalt

Militär, Politik und Kirche diskutieren über das Gewaltpotential von Religion

Prominente Vertreter aus Wirtschaft, Kirche und Bundeswehr haben sich am 14. November im Gemeindehaus der St. Johannis-Kirche Appen (Kreis Pinneberg) getroffen, um öffentlich über ein Thema zu diskutieren, das in Zeiten eines zumindest scheinbar religiös motivierten Terrorismus vielen Menschen unter den Nägeln brennt: Unter dem Veranstaltungstitel „Macht. Religion. Gewalt.“ erörterten Thomas Drope, Propst des Kirchenkreises Hamburg-West/Südholstein, Dr. Christian von Boetticher, ehemaliger CDU-Spitzenkandidat und Europaabgeordneter, heute Geschäftsführer der Kölln-Flocken sowie Oberst Michael Skamel, Kommandeur der Marseille Kaserne der Luftwaffe in Appen, die Frage, ob Religionen Gewalt verhindern oder fördern. Eingeladen hatte Pastor Frank Schüler.

Die Moderation des Abends lag bei Militärpfarrer Andreas-Christian Tübler, der bereits in mehreren Auslandseinsätzen als Seelsorger tätig war.

Während Skamel die Ansicht vertrat, Religion fördere Gewalt, weil sie erfahrungsgemäß häufig Teil gewaltvoller Auseinandersetzungen sei, legte von Boetticher großen Wert auf Differenzierung: Gemäß logischer Argumentation reiche es, ein einziges Beispiel eines religiösen und friedfertigen Menschen zu zeigen, um eine so generell formulierte These zu widerlegen. Er betonte, Religion könne, müsse aber nicht Gewalt fördern. In der Europäischen Geschichte seien häufiger andere Ursachen Gründe für Kriege gewesen. „Religion wird dann gefährlich, wenn sie totalitär wird und einen einzigen Wahrheitsanspruch erhebt“, so von Boetticher.

Drope setzte beim Menschen an. „Religion sind die Menschen, die sie leben, und Menschen sind korrumpierbar, sie sind in der Lage die Religion zu manipulativen Zwecken einzusetzen.“ So würden im Namen von Religion oft andere Interessen verfolgt, die dann zur Rechtfertigung von Gewalt sogar angewendet werde. Drope verglich Religion mit Glut: „Man kann sie so anfachen, dass sie ein wärmendes, Lebenserhaltendes Feuer wird, aber auch so, dass sie alles verbrennt.“

Phasenweise schweifte die Diskussion in eine Integrationsdebatte ab, was auch durch Publikumsfragen begünstigt wurde. Zu dem Konfliktpotenzial nach Deutschland kommender Muslime und hier lebender Bürger sagte von Bötticher : „Hierzulande ist man gewohnt, dass das Gesetz sagt, was richtig ist. Die Kirche hat wenig alltäglichen Einfluss.“ Das sei bei einigen Muslimen noch anders: „Dort orientiert man sich an dem, was die Kirche sagt. Der Zusammenprall von spiritueller Überzeugung mit unserer Rechtsgläubigkeit, macht vielen Angst.“ Von Boetticher betonte immer wieder, dass man in jedem Fall und bei jeder Aussage differenzieren müsse.

Tübler regte am Ende des Abends an, dass ein solcher Diskussionsabend auch mit Vertretern anderer Religionen wünschenswert wäre – ein Vorschlag der allseits positiv aufgenommen wurde. Schüler hat nun bereits mit der Organisation einer weiteren Veranstaltung begonnen. Erste potentielle Teilnehmer hat er angesprochen. (ACT)

 

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Ev. Militärdekan an der Führungsakademie der Bundeswehr Hamburg, BMW Biker etc.

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