Buchrezension: Wettstreit um Ressourcen

Wettstreit um Ressourcen
Konflikte um Klima, Wasser und Boden
Ulrich Schneckener, Arnulf von Scheliha, Andreas Lienkamp, Britta Klage (Hrsg.)
oekom Verlag, München, 278 S., Paperback, 29,95 €

Man muss nicht den „Club of Rome“ gedanklich bemühen, der 1972 mit seinem Ziel „building a global society in the 21st century“ uns die Grenzen des Wachstums (Neuauflage 1992) in Katastrophenszenarien vor Augen führte…oder den Weltklimarat, der Anfang April 2014 nachdrücklich vor schweren, tiefgreifenden und irreparablen Folgen steigender Erderwärmung warnte. Beide Veröffentlichungen sind wichtig und hilfreich, aber weniger geeignet für eine sorgfältige, unaufgeregte und (aktuelle) multidisziplinäre Analyse.

Anders das Buch „Wettstreit der Ressourcen“. Aus einer interdisziplinären Ringvorlesung an der Universität Osnabrück im Sommer 2012[1] für Hörer aller Fachbereiche hervorgegangen macht es neugierig und wissensdurstig .

Die Stärke dieses Buches liegt in der sachorientierten Art, die aktuellen Konflikte um Klima, Wasser und Boden exemplarisch zu analysieren, sie (schöpungs-)ethisch einzuordnen  und Argumentationshilfen für den damit zusammenhängenden Diskurs über Demokratie und Frieden zu bieten. Dabei ist die literarische Gattung (Sammelband) nicht nur kein Hindernis, sondern inhaltlich sinnvoll. Denn wie anders sind heute globale Probleme wie z.B. Ressourcenknappheit zu analysieren als im Zusammenspiel von z.B. Politologen, Geographen, Friedensforschern, Umweltethikern und systematischen Theologen:

Arnulf von Scheliha  markiert Normen und ihre Anwendung im umweltethischen Diskurs (S.123ff) und analysiert dahingehend  die EKD Denkschrift „Umkehr zum Leben, 2009“. In dem Zusammenhang weist v. S. zu Recht auf die differenzierte Sichtweise des Papiers hin, so dass „für die politisch Verantwortlichen Spielräume entstehen, die es ermöglichen, sich auf ein Maßnahmenbündel….zu verständigen“(S.134)  Also keine besserwisserische Debatte über Gutmenschen und moralisch Diskreditierte. Sondern die reformatorische 2-Regimenter-Lehre hilft auch hier….zu Sortieren und Verantwortung zuzuweisen.

Annabelle Houdret lenkt in ihrem Beitrag das Augenmerk auf soziale Unruhen in Nordafrika. Sie bezieht die Wasser- und Landpolitik auf den neuzugestaltenden „Gesellschaftsvertrag“, der –angesichts der Unruhen im Nordafrikanischen Raum seit 2011- nicht mehr nur einseitig von den Eliten, sondern als „gegenseitige Beziehung zwischen Staat und Gesellschaft“ (S. 219)  definiert wird. Im Übrigen ist diese Thema auch sicherheitspolitisch interessant! (Bundeswehreinsatz Mali/Senegal)

Im Übrigen interessant (aber nicht mainstreamtauglich!) der Beitrag von Michaels Brzoska (S.41), der die direkte Verbindung von Ressourcenknappheit und Gewaltursache verneint und differenziert darstellt.

Dieser Sammelband ist jedem zu empfehlen, der den Überblick und die Orientierung in der komplexen (medialen)  Ressourcendiskussion gewinnen möchte.  ACT

 

[1] Gleichzeitig wurde damit das Zentrum für Demokratie und Friedensforschung (ZeDF) gegründet.

dieser Beitrag erscheint in der nächsten Ausgabe von „Zur Sache:BW“

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Ev. Militärdekan an der Führungsakademie der Bundeswehr Hamburg, BMW Biker etc.

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